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Kolonnade
Kreuzbrunnen (Křížový pramen)
Säuerling mit Glaubersalz
Der berühmteste Brunnen Marienbads, mit dem die Geschichte des Kurorts begann.
Zur QuelleMarienbad wurde durch ein Wasser berühmt, das salzig schmeckt und genau das tut, was es soll. Ein Leitfaden zur Kur bei Verdauungserkrankungen — vom Kreuzbrunnen über die tschechische Indikationsliste bis zur Trinkkur, die sich nie in Litern messen lässt.

Über schmerzende Knie spricht man beim Kaffee, über den Blutdruck beim Mittagessen. Dass einen nach jeder Mahlzeit ein Blähbauch plagt, dass man seit Jahren einen Bogen um Fettiges macht und die Gallenblase den Speiseplan diktiert — darüber spricht kaum jemand, meist erst beim Arzt. Dabei gehört die Kur bei Erkrankungen der Verdauungsorgane in Marienbad zu den ältesten Disziplinen überhaupt. Das hiesige Wasser war berühmt, bevor das erste Hotel stand: salzig im Geschmack, schwer, stark mineralisiert — und es tat genau das, was man von ihm erwartete.
Spätsommer und Herbst sind für einen solchen Aufenthalt gut gewählt. Drei Monate mit unregelmäßigen Mahlzeiten, Urlaub und fremder Küche hinterlassen fast immer Spuren; nach der Hauptsaison wird die Stadt ruhiger und an den Brunnen wartet man kürzer. Vor allem aber besteht eine Trinkkur zum guten Teil aus Gehen. Im September und Oktober geht es sich besser als im August.
Die Anreise ist überschaubar: Von Nürnberg sind es rund 170 Kilometer, von München etwa 280, von Frankfurt rund 410 und von Berlin ungefähr 420. Aus Bayern ist Marienbad ein halber Tag mit dem Auto — das macht auch eine Wiederholungskur realistisch.
Marienbad liegt auf rund 630 Metern über dem Meer auf vulkanischem Untergrund. Über vierzig kalte Mineralquellen treten direkt im Stadtgebiet zutage, rund hundert weitere in der Umgebung. Es sind Säuerlinge mit ganzjährig 7 bis 10 °C — ihre Zusammensetzung ändert sich mit der Jahreszeit nicht.
Das Aushängeschild für Verdauungsindikationen ist der Kreuzbrunnen. Nach Angaben der Stadt handelt es sich um einen sulfat-hydrogenkarbonat-natriumhaltigen Eisensäuerling mit einer Gesamtmineralisation von 9 845 mg/l, einem Sulfatgehalt von 3 130 mg/l, 2 700 mg/l Natrium und 2 305 mg/l freiem Kohlendioxid. Die Verbindung aus Sulfat und Natrium ist das, was man umgangssprachlich Glaubersalz nennt — und was dem Wasser seine bekannte abführende Wirkung gibt. Der Pavillon des Kreuzbrunnens an der Kolonnade ist täglich von 6 bis 18 Uhr geöffnet.
Daneben kommen weitere Quellen zum Einsatz. Die Waldquelle wird traditionell mit Erkrankungen der oberen Atemwege und des Verdauungstrakts verbunden, die Ferdinandsquelle ist dem Kreuzbrunnen in der Zusammensetzung nahe und spielt bei Stoffwechsel- und Verdauungsindikationen eine Rolle. Welche Quelle, in welcher Menge und in welcher Reihenfolge — das ist keine Geschmacksfrage, sondern ein ärztlicher Verordnungsplan. Eine Übersicht aller Quellen mit ihren Eigenschaften finden Sie auf der Seite Quellenübersicht.
Quellen bei Verdauungsbeschwerden

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Kolonnade
Säuerling mit Glaubersalz
Der berühmteste Brunnen Marienbads, mit dem die Geschichte des Kurorts begann.
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in der Stadt
Kräftiger Glaubersalz-Säuerling
Die älteste schriftlich belegte Quelle Marienbads — schon im 16.
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in der Stadt
Milder alkalischer Säuerling
Die mildeste der großen Trinkquellen, traditionell genutzt bei Erkrankungen der oberen Atemwege — auch zum Inhalieren und Gurgeln — sowie bei Magenbeschwerden.
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in der Stadt
Erfrischender Säuerling
Die Quelle des unteren Stadtteils: Ihr Pavillon in Úšovice ist bei Einheimischen beliebt, die hier ihre Flaschen füllen.
Zur QuelleWelche Quelle und wie viel, bestimmt der Kurarzt. Alle Quellen im Überblick
Die tschechische Kurmedizin arbeitet mit einer verbindlichen Indikationsliste — der Verordnung Nr. 2/2015 Sb., seither mehrfach novelliert, zuletzt durch die Verordnung Nr. 586/2025 Sb. Die Erkrankungen des Verdauungstrakts bilden darin die Indikationsgruppe III, und Marienbad ist dafür als Kurort gelistet. In der Indikationsliste des hiesigen Kurbetreibers ist die Gruppe in acht Positionen (III/1 bis III/8) aufgeschlüsselt; die deutschsprachige Fassung für Selbstzahler führt die einzelnen Diagnosen so auf:
Krankheiten des Verdauungssystems
Chronische und rezidive Erkrankungen des Magens und des Darms mit Maldigestionsanzeichen, die bei einer standardmäßigen Pharmakotherapie anhaltend sind
Zustände nach schweren Darminfektionen, Parasitosen und mykotische Erkrankungen
Zustände nach Operationen des Magens, des Zwölffingerdarms, der Speiseröhre und des Darms mit postresektiver, endoskopisch nachgewiesener Symptomatologie
Crohnsche Krankheit
Colitis ulcerosa
Chronische Erkrankungen der Gallenblase und des Gallentrakts mit Lithiasis, sofern es sich um eine kontraindizierte Operation handelt
Sklerosierende Cholangitis
Funktionsstörungen des Gallentrakts
Zustände nach komplizierten Operationen der Gallenblase und des Gallentrakts, nach Eingriffen an den Gallenwegen aufgrund von Lithiasis und Stenosis (Pankreatitis, Cholangitis, Ikterus, Instrumentation an den Gallenwegen, ERCP)
Zustände nach Dissolution von Steinen und extrakorporaler Lithotripsie
Zustände nach akuter Hepatitis beliebiger Ätiologie und nach toxischer Leberschädigung (durch Medikamente sowie auch arbeitsbedingt)
Chronische Hepatitis mit anhaltendem Markerpositivum
Assoziierte autoimmune Hepatitis
Primäre biliäre Zirrhose
Zustände nach resektiven Operationen und Lebertransplantationen oder Operationen und Pankreastransplantationen
Zustände nach akuter Pankreatitis oder nach Exazerbation der chronischen Pankreatitis
Nachgewiesene chronische Pankreatitis
Ob eine Kur infrage kommt, klärt Ihr Arzt; die Kostenfrage läuft über Krankenkasse, Beihilfe oder als Selbstzahler. Vollständige Indikationsliste und Kontraindikationen
Die Liste regelt zugleich Dauer und Kostenträgerschaft — allerdings für gesetzlich Versicherte in Tschechien: Die sogenannte komplexe Kurbehandlung (im Verzeichnis mit K gekennzeichnet, 21 oder 28 Tage) wird dort einschließlich Unterkunft und Verpflegung übernommen, bei der Beitragskur (P, 14 oder 21 Tage) nur der Behandlungsteil.
Für Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Liste deshalb vor allem eines: eine präzise Auskunft darüber, welche Diagnosen hier medizinisch geführt behandelt werden und wie lange ein sinnvoller Aufenthalt dauert. Die Kostenfrage läuft dagegen über den eigenen Weg — Selbstzahler, Beihilfe oder ein Antrag bei der Krankenkasse. Wie das im Einzelnen aussieht, haben wir im Ratgeber zu Beihilfe, privater und gesetzlicher Kasse beschrieben.
Verdauungsindikationen in Zahlen
9 845 mg/l
Gesamtmineralisation des Kreuzbrunnens — die höchste der Stadt
3 130 mg/l
Sulfatgehalt, also das Glaubersalz, dem das Wasser seine Wirkung verdankt
8 Indikationen
Positionen III/1 bis III/8 in der Gruppe der Verdauungserkrankungen
21 Tage
übliche Dauer eines Grundaufenthalts; bei manchen Indikationen 28 Tage

Hier entstehen die meisten Missverständnisse. Eine Trinkkur sieht simpel aus — Becher, Quelle, Spaziergang — und genau deshalb kursieren Ratschläge wie „trinken Sie täglich drei Liter". Bei den Marienbader Quellen ist ein solcher Rat im besten Fall überflüssig und im schlechteren gefährlich.
Das Wasser des Kreuzbrunnens ist stark mineralisiert und wirkt durch seinen Sulfatgehalt abführend. Menge, Quelle, Wassertemperatur und der zeitliche Abstand zur Mahlzeit sind immer Teil einer ärztlichen Verordnung, die nach der Eingangsuntersuchung entsteht und während des Aufenthalts angepasst wird. Bei Gallensteinleiden sieht der Plan anders aus als nach einer Magenresektion und wieder anders bei chronischer Pankreatitis. Eine pauschale Tagesmenge gibt es nicht — wer sie Ihnen nennt, spricht nicht von Therapie.
Der Rest der Methodik ist unspektakulär und wirksam: langsam trinken, in kleinen Schlucken, im verordneten Abstand vor dem Essen und im Gehen. Das Gehen zwischen den Schlucken ist keine Folklore, sondern Teil der Anwendung — langsame Bewegung unterstützt die Passage und ist zugleich die natürlichste Form jener leichten körperlichen Aktivität, die bei Verdauungsdiagnosen empfohlen wird. Methodik und praktische Details stehen ausführlich im Trinkkur-Ratgeber.
So sieht ein Becher Trinkkur aus
1Quelle
Der Becher wird direkt am Auslauf gefüllt. Welche Quelle und in welcher Reihenfolge, legt die ärztliche Verordnung fest.
2Temperatur
Das Wasser tritt das ganze Jahr über kalt aus, 7 bis 10 °C. Ob es so getrunken wird, wie es fließt, oder temperiert, ist Teil der Verordnung.
3Abstand zur Mahlzeit
Getrunken wird nüchtern, im verordneten Abstand vor dem Essen, langsam und in kleinen Schlucken.
4Gehen
Zwischen den Schlucken wird gegangen, nicht gesessen. Der langsame Spaziergang über die Kolonnade ist Teil der Anwendung, keine Pause.
Menge, Zahl der Becher pro Tag und Wahl der Quelle legt der Kurarzt nach der Eingangsuntersuchung fest. Eine pauschale Dosis gibt es nicht.
Ehrlich bleiben: Die Balneologie hat ihre stärksten Belege beim Bewegungsapparat, nicht bei der Verdauung. Eine Übersichtsarbeit, die 2021 insgesamt 49 systematische Reviews zur Wirksamkeit der Kurmedizin zusammenfasste, kommt zu dem Schluss, dass der Nutzen bei bestimmten muskuloskelettalen Beschwerden, bei chronischer Veneninsuffizienz und bei entzündlichen Hauterkrankungen am besten belegt ist — während sie die Evidenz für Inhalations- und Trinkkuren als „begrenzter, wenn auch interessant" bezeichnet (Antonelli et al., 2021, International Journal of Biometeorology).
Das heißt nicht, dass Trinkkuren nicht wirken. Es heißt, dass weniger darüber bekannt ist, als sie verdienen. Eine der wenigen großen randomisierten Studien betraf ein sulfat- und magnesiumreiches Mineralwasser bei funktioneller Obstipation: In einer doppelblinden Untersuchung mit 226 Patienten sprachen nach vierzehn Tagen 50 % auf die Behandlung an gegenüber 29 % in der Kontrollgruppe, die mittlere Zeit bis zum Ansprechen lag bei 6,4 Tagen (Dupont et al., 2019, Nutrition). Es handelte sich um ein französisches Wasser anderer Zusammensetzung, und die Studie wurde vom Hersteller finanziert — als Beleg für den Kreuzbrunnen taugt sie also nicht. Sie zeigt aber das Prinzip: Sulfatwässer haben einen messbaren, nicht bloß gefühlten Einfluss auf den Darm. Ein ähnliches Ergebnis brachte eine placebokontrollierte Studie mit 106 Teilnehmern, in der ein halber Liter sulfatreiches Wasser täglich über sechs Wochen die Zahl spontaner Stuhlgänge erhöhte und deren Konsistenz verbesserte (Bothe et al., 2015, Eur J Nutr; slowenisches Wasser, primärer Endpunkt nur grenzwertig signifikant). Die britische diätetische Leitlinie von 2025 nennt daher Wasser mit höherem Mineralgehalt unter den Optionen bei chronischer Obstipation, mit niedriger bis mittlerer Evidenzsicherheit (Dimidi et al., 2025, J Hum Nutr Diet). Zur Gallenblase sind die Daten spärlicher: In einer kontrollierten Studie mit 40 Teilnehmern verkleinerte sich nach zwölf Tagen Trinken eines Sulfat-Hydrogencarbonat-Wassers das Nüchternvolumen der Gallenblase, und der Stuhlgang war häufiger (Corradini et al., 2012, World J Gastroenterol).
Praktisch heißt das nüchtern: Eine Kur ersetzt bei Verdauungsdiagnosen weder die Gastroenterologie noch die Medikation. Das Ziel sind Beruhigung, ein geordneter Tagesrhythmus, eine erprobte Ernährung und drei Wochen, in denen sich der Körper aus der chronischen Reizung lösen kann.

Der Rhythmus ist bewusst eintönig — darum geht es.
Der Morgen beginnt vor dem Frühstück an der Quelle, mit Becher und langsamem Gang über die Kolonnade. Danach Frühstück nach dem verordneten Diätsystem. Vormittags die Anwendungen: Mineralbäder, trockene Kohlensäurebäder, durchblutungsfördernde Verfahren, bei manchen Diagnosen Elektro- oder Magnettherapie. Die trockenen Kohlensäurebäder nutzen dabei das natürliche Marienquellgas mit einem Kohlendioxidgehalt von 99,7 % — eine Ressource, über die die Ensana-Kurhäuser direkt in der Stadt verfügen und die in dieser Reinheit sonst nirgends vorkommt. Nach jeder Anwendung folgt die Ruhe im Liegen; sie ist Teil der Therapie, nicht die Zugabe.
Der Nachmittag gehört der Bewegung — leichter Aktivität, die die Verdauung unterstützt, meist dem Gehen in den Kurwäldern. Die Wege beginnen wenige hundert Meter hinter der Kolonnade und steigen in den Kaiserwald an; das Profil richtet sich nach der Kondition, nicht nach dem Ehrgeiz. Abends Ruhe, ein weiterer Becher nach Plan, früh ins Bett.
Einmal wöchentlich die Visite, bei der Trinkplan und Anwendungen nachjustiert werden. Genau diese wöchentliche Rückmeldung leistet die ambulante Versorgung nicht — statt zehn Minuten im Quartal entsteht eine durchgehende Kurve.


Bei Verdauungsindikationen ist das individuell zusammengestellte Ernährungsprogramm so wichtig wie das Wasser. Und es hat gegenüber den Versuchen zu Hause einen entscheidenden Vorteil: Drei Wochen lang kocht es jemand anderes.
Darin liegt der eigentliche Trick. Wer seit Jahren mit Einschränkungen lebt, weiß meist genau, was er nicht darf — und selten, was er darf. Die Kurküche zeigt, wie ein Speiseplan aussieht, der die Diagnose respektiert und trotzdem Freude macht. Diese Erfahrung ist oft das Einzige, was man auf Jahre mitnimmt: Die Anwendungen enden, gekocht wird zu Hause weiter.
Die Indikationsliste nennt zu jeder Gruppe auch Gegenanzeigen und Aufnahmebedingungen — erforderliche Untersuchungen, deren Aktualität und die Fachrichtung des empfehlenden Arztes. Bei Verdauungsdiagnosen ist das in der Regel ein aktueller gastroenterologischer Befund, bei postoperativen Zuständen eine endoskopische Sicherung.
Die Beurteilung liegt bei Ihrem Hausarzt oder Gastroenterologen, nicht beim Kurort. Ohne ärztliche Unterlagen kann der Kurarzt vor Ort keinen Plan erstellen, für den sich die Anreise lohnt. Einen allgemeinen Überblick gibt die Seite Indikationen und Kontraindikationen.
Die klassische Kur dauert drei Wochen und wird bei chronischen Diagnosen wiederholt — wie sie abläuft, beschreibt der Ratgeber zur dreiwöchigen Kur. Wenn Ihr Termin auf September oder Oktober fällt, haben Sie mehrere Vorteile zugleich.
Nach der Hauptsaison wird es ruhiger, an den Brunnen wartet man kürzer, Anwendungen lassen sich leichter planen. Das Wetter eignet sich für lange Gänge zwischen den Schlucken besser als der Hochsommer. Und die Stadt lebt weiterhin: Das internationale Folklorefestival „Marienbader Herbst" findet vom 17. bis 20. September 2026 an der Kolonnade und im Stadttheater statt, und die Singende Fontäne spielt noch bis zum 31. Oktober, an dem sie die Saison beschließt. Weitere Argumente für diese Jahreszeit sammelt die Seite zum Herbst in Marienbad.
Nehmen Sie einen Trinkbecher mit oder kaufen Sie ihn an der Kolonnade, dazu feste Schuhe für die Waldwege, Kleidung zum Schichten — und vor allem aktuelle ärztliche Befunde. Den Rest erledigen drei Wochen Regelmäßigkeit und ein Wasser, das hier seit über zweihundert Jahren unverändert fließt.
Studien und offizielle Dokumente, auf die sich dieser Artikel stützt. Unsere Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.
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Der vollständige Ratgeber zur Kurbehandlung in Marienbad — über 40 Mineralquellen, UNESCO-Welterbe und 200 Jahre Tradition.