Die Kolonnade & Singende Fontäne
Die ikonische Kolonnade und die Singende Fontäne in Marienbad: Architektur, Geschichte und Vorführzeiten.
Ein architektonisches Meisterwerk
Die Hauptkolonnade von Marienbad ist weit mehr als ein Bauwerk — sie ist das pulsierende Herz der Kurstadt und eines der eindrucksvollsten Beispiele neobarocker Kurarchitektur in Europa. Die elegante gusseiserne Konstruktion erstreckt sich über eine Länge von 135 Metern und bildet mit ihrer filigranen Deckenkonstruktion und den zierlichen Säulen einen überdachten Wandelgang, der die Kurgäste seit über einem Jahrhundert vor Sonne und Regen schützt, während sie das Heilwasser der Mineralquellen trinken.

Die heutige Kolonnade wurde in den Jahren 1888–1889 nach Entwürfen der Wiener Architekten Miksch und Niedzielski errichtet und ersetzte eine ältere Holzkonstruktion. Die Bauweise aus Gusseisen war für ihre Zeit revolutionär und spiegelte den technischen Optimismus des späten 19. Jahrhunderts wider. Die Kolonnade wurde mehrfach restauriert, zuletzt umfassend in den 1970er- und 2000er-Jahren, und erstrahlt heute in ihrer ursprünglichen Pracht.
Die Quellen der Kolonnade
Unter dem Dach der Kolonnade und im benachbarten Pavillon kosten Sie drei der bekanntesten Quellen der Stadt; welche davon Sie trinken und wie viel, legt der Kurarzt oder die Kurärztin fest — siehe Mineralquellen und Trinkkur:
- Kreuzbrunnen: die berühmteste Quelle Marienbads, ein Säuerling mit Glaubersalz. Das Kreuz, das ihm den Namen gab, steht hier seit 1749, und der Name des Kurorts ist seit 1808 mit ihm verbunden.
- Karolinenquelle: ein Säuerling mit hohem Magnesiumgehalt, ursprünglich Neue Quelle; den Namen der Kaiserin Karoline Auguste erhielt sie 1817.
- Rudolfsquelle: ein an Kalzium und Magnesium reicher Säuerling, benannt nach Kronprinz Rudolf; sie entspringt in Úšovice und wird über eine Leitung in den Pavillon des Kreuzbrunnens geführt.
Jede Quelle hat eine andere Zusammensetzung und einen anderen Geschmack. Die Kurärzte stellen für jeden Patienten einen individuellen Trinkplan zusammen, der Quelle, Menge, Temperatur und Trinkzeit festlegt; wo Sie alle Quellen finden, zeigt die Quellenübersicht.
Die Singende Fontäne
Direkt vor der Kolonnade steht eines der beliebtesten Wahrzeichen Marienbads: die Singende Fontäne. Dieses einzigartige Zusammenspiel aus Wasser, Musik und Licht wurde im Jahr 1986 nach einem Entwurf des Ingenieurs Pavel Mikšík feierlich eröffnet und ist seitdem ein Höhepunkt jedes Besuchs in Marienbad.

Wie funktioniert die Singende Fontäne?
Die Fontäne besteht aus einem kreisförmigen Becken mit einem Durchmesser von rund 18 Metern, ausgestattet mit Hunderten von Düsen, die über eine computergesteuerte Anlage präzise choreografierte Wasserbilder erzeugen. Diese sind exakt auf eine Musikauswahl abgestimmt — von klassischen Kompositionen (Dvořák, Smetana, Chopin) bis zu Filmmusik und modernen Stücken. Die Wasserstrahlen „tanzen“ buchstäblich im Rhythmus der Musik und schaffen ein faszinierendes audiovisuelles Erlebnis.
Vorführzeiten
Die Singende Fontäne spielt von Mai bis Oktober zu jeder ungeraden Stunde (7:00, 9:00, 11:00, 13:00, 15:00, 17:00, 19:00, 21:00 Uhr). Die Abendvorführungen nach Einbruch der Dunkelheit sind besonders stimmungsvoll, da die Fontäne dann zusätzlich mit farbigem Licht angestrahlt wird. Jede Vorführung dauert etwa 10–15 Minuten und ist kostenlos.
Die Kolonnade des Ferdinandsbrunnens
Neben der Hauptkolonnade verdient auch die Kolonnade des Ferdinandsbrunnens in Úšovice Erwähnung — ein klassizistischer Bau aus den Jahren 1826–1827, zu dem ein angenehmer Spaziergang durch den Auschowitzer Park führt. Sie birgt den Ferdinandsbrunnen, einen kräftigen Glaubersalz-Säuerling mit der höchsten Mineralisierung aller Marienbader Quellen, und bietet eine ruhigere Umgebung als die belebte Hauptkolonnade. Ihren Namen trägt sie nach Kaiser Ferdinand I., unter dessen Herrschaft man hier im 16. Jahrhundert versuchte, Salz zu gewinnen.
Geschichte und kulturelle Bedeutung
Die Kolonnade war stets weit mehr als ein funktionaler Wandelgang. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war sie der gesellschaftliche Mittelpunkt des Kurlebens — ein Ort der Begegnung, an dem gekrönte Häupter, Dichter, Musiker und die europäische Aristokratie flanierten. Johann Wolfgang von Goethe, Frédéric Chopin, Richard Wagner und König Edward VII. gehörten zu den prominentesten Besuchern, die unter dem Dach der Kolonnade ihre Trinkkur absolvierten.
Auch heute bleibt die Kolonnade das Zentrum des Kurlebens. Jeden Morgen und Abend strömen die Kurgäste mit ihren charakteristischen Kurbechern zu den Quellen, um ihr ärztlich verordnetes Mineralwasser zu trinken — eine Tradition, die sich in mehr als 200 Jahren kaum verändert hat.
Rund um die Kolonnade
Die Kolonnade liegt im Herzen des wunderschön angelegten Kurparks (Skalník-Anlagen), den der berühmte Landschaftsarchitekt Václav Skalník im 19. Jahrhundert entwarf. Der Park bietet weitläufige Grünflächen, historische Pavillons, einen gusseisernen Musikpavillon und sorgfältig gepflegte Blumenbeete. Er ist der ideale Ausgangspunkt für die Terrainkur-Spaziergänge, die in die umliegenden Wälder führen.

